PKW ohne eFuels verzögert Klimaneutralität

Ein Kommentar zu den Aussagen von Bundesverkehrsminister Volker Wissing zu eFuels von Ralf Diemer, Geschäftsführer der eFuel Alliance.

Berlin, den 14.01.2022: Die eFuel-Alliance überraschte das Statement von Verkehrsminister Volker Wissing zu eFuels im Tagesspiegel vom 13.1.2022. Eine Absage an den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen für PKW widerspräche dem Wahlprogramm der FDP, den einhelligen Aussagen seiner Partei und im Übrigen auch dem Koalitionsvertrag. Auch aus Brüssel kamen positive Signale für den Ausbau von eFuels. Die Richtigstellung in der gestrigen Bundestagsdebatte und ein klares Bekenntnis zur Technologieoffenheit begrüßt die eFuel Alliance, eine Interessengemeinschaft von 160 Unternehmen entlang der eFuel-Wertschöpfungskette.

Im Koalitionsvertrag ist klar festgehalten, dass „Klimaneutralität spätestens 2045 technologieoffen“ erreicht werden soll. Gerade in Bezug auf Wasserstoff und eFuels steht dort: „Wir wollen den Einsatz von Wasserstoff nicht auf bestimmte Anwendungsfelder begrenzen“ und „Wir setzen uns dafür ein, dass nachweisbar nur mit eFuels betankbare Fahrzeuge neu zugelassen werden können.“ Wenn wir der Klimaneutralität einen Schritt näherkommen wollen, dürfen wir uns keine Technologieverbote auferlegen. eFuels sind neben der Elektromobilität eine wichtige Säule für den Klimaschutz. Wenn Verbrennungsmotoren klimaneutral betrieben werden können, dann sollte der Gesetzgeber das fördern und nicht verhindern. Elektromobilität ist ein zentraler Baustein für die klimaneutrale Mobilität in der Zukunft. Aber ausschließlich auf Elektromobilität zu setzen wäre der falsche Weg und würde vor allem dazu führen, dass die Klimaziele im Verkehr erst später erfüllt werden können als notwendig. Wir freuen uns, dass der Minister das in der gestrigen Bundestagsdebatte betont hat.

Die Begründung von Volker Wissings Absage im Interview ist deshalb nicht nachvollziehbar. Er verwies auf der einen Seite auf die bestehende EU-Regulierung – aber gerade diese wird derzeit in Brüssel überarbeitet und ist keineswegs schon entschieden. Von der EVP-Fraktion kommen beispielsweise für eFuels eindeutig positive Signale. Auch die FDP-Abgeordneten im Europäischen Parlament haben sich immer wieder für einen technologieneutralen Weg eingesetzt. Für den Verkehrsminister ist das jetzt der richtige Zeitpunkt sich dafür einzusetzen, dass alle Technologien fair anhand deren tatsächlicher CO2-Reduktion berücksichtigt werden. Synthetische Kraftstoffe können CO2-neutral in allen Verbrennerfahrzeugen eingesetzt werden. Im Gegensatz zum Strom für Elektromobilität können eFuels in Regionen der Welt produziert werden, wo regenerative Energien im Überfluss vorhanden sind, kostengünstig hergestellt und über die bestehende Infrastruktur transportiert werden können. Dadurch wird auch ein Großteil der Wirkungsgradverluste in der Herstellung von eFuels kompensiert. Ein Windrad in Patagonien produziert die 4-fache Menge an erneuerbaren Strom wie in Deutschland – eine Photovoltaik-Anlage in Nordafrika die 3-fache Menge. Wir werden die vollständige Energiewende nur global lösen können.

Auf der anderen Seite argumentiert Wissing im Tagesspiegel, dass nicht genügend eFuels zur Verfügung stehen werden und daher für die Luftfahrt vorbehalten werden müssen. Leider wird gerade durch eine künstliche Begrenzung der eFuels auf wenige Sektoren ein Markthochlauf verzögert und Investoren verunsichert. So werden die übrigen Verbrenner – das sind auch 2030 noch 30 Millionen Fahrzeuge in Deutschland – weiter mit fossilen Kraftstoffen fahren müssen.

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